Bretniger bauen Treppe der Superlative
11.12.04 22:06
Alter: 6 Jahre

Von: Manuela Reuß SZ-Redaktion
Ein ganz besonderes Projekt hält die Bretniger Firma GRÄFE auf Trab. EinAuftrag an dem Treppenbauer aus ganz Europa scheiterten... lesen Sie den Wirtschaftsbericht aus der SZ
Viele namhafte Firmen warfen das Handtuch, aber die Bretniger nahmen die Herausforderung an. Sie bauen genau die Treppe, die der Londoner Architekt David Chipperfield für das Berliner Appartement einer Amerikanerin entwarf: Eine rein handgefertigte, dreiviertel gewendelte Bogentreppe, turmartig über zwei Etagen durchgehend. Um das ganze noch schwieriger zu gestalten, sollte der Handlauf nicht aufgesetzt sondern flächenbündig in die Holzwand eingearbeitet sein. „So eine Treppe hat noch niemand gebaut“, erklärt Danny Gräfe stolz. Rund 100 Stunden verbrachte der junge Diplomingenieur am Computer, um die hölzerne Anlage zu konstruieren.
Ratgeber für den Architekten
Ein Vorteil der Bretniger Treppenbauer war, dass sie schon vor der Ausschreibung Kontakt mit dem bekannten Architekten hatten, weil sie ihn berieten. Denn – und das ist Vorteil Nummer zwei – die Firma Gräfe ist ein Experte in puncto Sonderanfertigung von Treppenanlagen. Deshalb erstellte Danny Gräfe für Chipperfield zunächst auch eine Studie, ob seine Vorstellungen überhaupt umsetzbar sind. „Auf dem Papier ist alles machbar. Aber die Realität sieht mitunter etwas anders aus“, weiß der Juniorchef. Deshalb sei es enorm gefragt, in diesen Grenzbereiche eine Lösung zu finden.
Die Möbel-, Wand- und Deckenbauten sowie der Treppenbau in dem Parkside-Appartement sah der Architekt als Komplettvergabe vor. Doch an die Treppe wollte sich keiner der Bewerber wagen. Da hatten die Deutschen Werkstätten Hellerau, mit denen die Firma Gräfe schon längere Zeit zusammenarbeitet, gute Karten. Dass der Auftrag in Hellerau und Bretnig landet hatte Danny Gräfe nicht vermutet. „Chipperfield hat ein Faible für die Italiener.“. Aber bei der Treppe haben sie kapituliert.“ Dieses Großprojekt sei übrigens das erste, bei dem die Firma Gräfe nicht inkognito arbeiten muss. Bislang tauchten sie nicht eigenständig auf, sondern arbeiteten für ihren Partner. „Mittlerweile brauchen wir uns aufgrund guter Referenzen nicht mehr verstecken.“ Das habe auch Vorteile. Zum Beispiel könne man sich direkt, und nicht mehr über Dritte, mit dem Architekten verständigen .
Anderthalb Jahre Vorbereitung
Seit anderthalb Jahren haben die Bretniger das Projekt auf dem Tisch. Damals erstellte Danny Gräfe die erste Kostenschätzung. Dann ging es in die Planung und vor einigen Wochen schließlich in die Fertigung. „Bis vor anderthalb Wochen hatte ich auch noch enorme Bauchschmerzen“, gibt der junge Geschäftsmann zu. Denn bis dahin hatten die Bretniger nur Roh- und Einzelteile hergestellt. Stellte sich schließlich die Frage: Passt das Runde nun auch an das Eckige? Die Sorge war unbegründet. Bis jetzt passte es. Inzwischen sind die Treppenbauer allerdings an einer Grenze angelangt. Die Produktionshalle ist für das Treppenmonstrum zu niedrig. Ein Problem stellt das aber nicht dar. Denn bereits seit Wochen steht neben der Firma ein etwas ominöses 7 Meter hohes Gebilde, welches schon so manchen neugierigen Blick auf sich zog.
Anbau für die Montage
Damit erweiterte das Unternehmen vorübergehend seine Halle. Der Anbau ist ein Gerüst mit Holzverkleidung – allerdings voll klimatisiert. Hoch genug um auf 24 Quadratmetern die fertige Treppe unter Simulation der Montagebedingungen aufzubauen. Der Architekt kann sie dann schon mal begehen. Nach dem Probelauf nehmen die Tischler die Treppe wieder auseinander. Wenn alles nach Plan geht, wird das exklusive Teil am 3. Januar in das Appartement des Hauses am Potsdamer Platz eingebaut. Das, so Danny Gräfe, erfordert noch mal eine logistische Meisterleistung. Denn es gilt alle 70 Einzelteile – auch die 5,30 Meter langen – bis in die 9. und 10. Etage zu bugsieren.
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